Ein Hoodie macht noch keinen Gangster

Auch in den USA schaffte es der Hoodie bis in den Kongress. Doch da verstand man weniger Spaß und warf den Träger, einen Abgeordneten, einfach raus. Dabei war das Thema hochbrisant. Und schließlich ergriff sogar der US-Präsident selbst Partei für den Kapuzenpulli.


Congress Man Bobby Rush

Wie schon im Parlament von Neuseeland tauchte im Jahr 2012 der Hoodie auch im US-Kongress auf. Dort entledigte sich der Abgeordnete Bobby Rush aus Chicago [Foto] während einer Rede seines Jackets und stand plötzlich im Kapuzenpulli im hohen Haus. Schließlich streifte er sich noch die Kapuze über den Kopf und sagte dabei: „ein Hoodie macht noch keinen Gangster“, womit er auf einen Vorfall anspielte, bei dem ein 17-jähriger Schwarzer in Florida von einem Mitglied einer Bürgerwehr erschossen wurde.

Der Hergang des Falls ist dabei nicht ganz klar. Angeblich wurde der Täter vom Opfer geschlagen. Fest stand aber, der Junge war unbewaffnet. So erregte der Fall USA-weit große Aufmerksamkeit. Auch die Fernsehstationen berichteten darüber. Gerald Rivera, Moderator beim konservativen Sender Fox News, befand dazu, dass das Tragen des Hoodies mitverantwortlich für den Vorfall gewesen wäre. Offenbar meinte auch er, dass Kriminelle am Kapuzenpullover zu erkennen wären.

Hoodywood.de-Shop besuchen Genau dagegen protestierte nun der Congress Man Bobby Rush, in dem er bei seiner Rede in der vermeintliche Gangster-Kluft auftrat. Nur hatte er da die Rechnung ohne den Tagungspräsidenten Gregg Harper aus dem ebenfalls eher konservativen Mississippi gemacht. Der nämlich ließ Rush samt seines Hoodies aus dem Saal werfen. Es wäre verboten im Kongress eine Kopfbedeckung zu tragen, so der Präsident. Und die Kapuze ist nun mal eine solche.

Unterdessen warf die Familie des Jungen den Behörden vor, eine Schmutzkampagne gegen ihren Jungen zu fahren. Und schließlich mischte sich selbst der damalige Präsident Barack Obama in die Debatte ein. „Wenn ich einen Sohn hätte, sähe er aus wie Trayvon“, ergriff das Staatsoberhaupt indirekt Partei für den Kapuzepulli. Ob es dem Image des Hoodie genützt hat, lässt sich nicht feststellen. Dass die Vorurteile von höchster Stelle angeprangert werden, kann trotzdem kein Schaden sein!

Foto: US House of Representatives